Briese Kreise Oels

Aus der Geschichte der Kirche

Foto der Kirche
Wie unsere Kirche am 08. November 1742 eingeweiht worden ist.
Den 8. November haben Ihro Excellenz die gnädigste Gräfin von Promnitz die neue Kirche zu Briese, zu welcher sie vor 5 Jahren den Grundstein gelegt, den Herrn Hofprediger Pitschmann einweihen lassen, dafür dem großen Gott ewiger Dank gesagt sei um Jesu willen, als welchem diese neue Kirche übergeben worden.
Die Veranstaltung war diese: früh um 9 Uhr begaben sich Ihre Exzellenzen beiderseits nebst vielen anderen adeligen Herrschaften, den Geistlichen, deren 13 zusammen waren, und einer großen Menge des Volkes in die alte Kirche. [Anmerkung 1: Die alte Kirche lag schrägüber vom Pfarrhaus an der Stelle, die heute noch 'Alter Kirchhof' heißt; sie mußte wegen Baufälligkeit aufgeben und abgebrochen werden.] Da wurde das Morgenlied 'Ich danke dir, Gott, für alle Wohltat'. wie auch 'Nun preiset alle Gottes Barmherzigkeit' andächtig gesungen. Nach absingen solcher Lieder ging ich, George Schultz, Ortspastor, vor das Altar und hielt eine Dankrede über den 12. Vers 2. Samuellis. Nach Endigung derselben singen wir das Lied 'Nun lob, mein Seel, den Herren' und gingen in Prozession hinaus mit dem Lied 'Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut.'. Die Schüler gingen mit dem Kreuz voran. Die Kirchväter trugen die neuen goldenen und silbernen Vasa (Geräte) und wir Pfarrer alle gingen in albis. [Anmerkung 3: 'in den weißen'  d.h. in dem weißen Ueberwurf, den damals die amtierenden Geistlichen noch über dem Talar trugen.] Ihre Exzellenzen fuhren nebenbei, um diese Prozession in Augenschein zu nehmen, und hatten Ihre Freude.
Als wir in die neue Kirche kamen, wurde angestimmt 'Komm, heiliger Geist, Herre Gott.' Unter währendem Singen knieten wir alle um den Altar, nämlich der Herr Probst Weidner, Herr Senior Stappelfeld von Juliusburg, Herr Katechet Kuschke von Oels, Herr Pastor Bornazius von Strehlitz, Herr Pastor Callenberg von Döberle, Herr Pastor Wiederian von Schmollen, Herr Pastor John von Zessel und ich, der Ortspastor. Die anderen drei, so nicht in albis waren, stunden und beteten, nämlich Herr Senior Hampel von Stroppen, Herr Pastor Thorant von Stronn und Pastor Kundt von Pontwitz. Nach dem intonierte Herr Senior Magister Kirschstein von Feltenberg, welcher vor dem Altar stund, indem wir knieten, das Gloria. Als das gesungen war, kollektierte (verlas) er den 132. Psalm und stimmte an Credo in unum Deum. worauf der Herr Hofprediger auf die Kanzel ging und hielt eine erbauliche Predigt über die Worte 2. Tim. 2, 19: der feste Grund Gottes bestehet usw. Daraus stellte er vor die christliche Kirche unter dem Bilde eines Hauses, wie sie zu betrachten ist: 1 nach ihrer beständigen Festigkeit, II nach ihre Siegel: Der Herr kennet die Seinen usw. Diese Predigt ging er gelehrt und erbaulich durch und übergab mir, nachdem er Ihren Exzellenzen beiderseits alles Seelen und Leibesheil anewünscht, die neue Kirche mit vielen nachdrücklichen Pastoralvermahnungen, die mich recht wehmütig und zugleich recht inbrünstig machte, die Ehre Gottes und den Seelennutzen mene Zuhörer mit bessserem Fleiß zu befördern. Ach, Gott, gib mir diese Gnade um Jesu willen!
Endlich beschloß gedachter Herr Hofprediger diese Predigt mit den Worten Joh:a Kap. 24, 15: Ich und mein Haus wollen dem Herrn dienen. Solche Worte brachte er recht pathetisch an, indem er den Herrn Grafen anredete auf solche Weise: 'Gnädigster Herr Graf, ich weiß, Sie und Ihr Haus wird dem Herrn dienen, ich auch, die Herrn Amtsbrüder mit mir, wie auch alle Hausväter. Wohlan, lasset uns einander die Hände drauf geben!" Zuletzt machte er den völligen Schluß mit lauter Seegenswünschen. Ich, der Ortspastor, administrierte drauf das heilige Abendmahl für die 4 Kommunikanten, welche waren Christoph Ziegner, Weber in Briese, mit seinem Weib und Hans Titz, Millscher (Müller) in Vierraden mit seinem Weibe. [Anmerkung 6: Ein Kind des letzteren Ehepaares ist auch am 25. November 1742 als erstes in der neuen Kirche getauft worden. Dei Frau Gräfin von Promnitz  hatte dabei selbst das Patenamt übernommen und dem Kinde den Namen Karl Friedrcih gegeben.
Nachdem hatte ich zwei Paar Brautleute zu copulieren, nämlich Mathes Kirsch, Freigärtner von Sechskiefern mit Maria Zehler von Dreikiefern mit Marie Zehler von Dreihäusern und George Dreyocker, Witwer und Mietsmann in Hönigern, mit Elisabeth Klauß. 
Nach gesungenem Dankliede und dem Segen gingen wir Pfarrer ale zu Ihrer Exzellenz und legten unsere respektvolle Gratulation ab und hatten die Gnade, mit Ihro Exzellenz zu speisen. 
Gott sei für alle diese Wohltaten gelobt und gepriesen und lasse diese Salvator-Kirche um Jesus als des Salvators (Heilands) willen doppelt gesegnet sein! Amen. Amen. Amen.
Bericht des Pastors Georg Scholtz (1730 - 1744) im Brieser Kirchenbuch
Aus: Heimatklänge aus der evangelischen Kirchgemeinde Briese (Kreis Oels in Schlesien) Oktober 1915 [1. Heft] in: Preußische Staatsbibliothek Berlin vorhanden (nur dieses Heft)

Kirchenvisitation von 1915

Am 19. September fand eine den Zeitverhältnissen entsprechend beschränkte Kirchenvisitation durch Herrn Superintendent Kaehler aus Oels statt mit folgender Ordnung:
Vormittags 3/4 9:  gemeinsamer Kirchgang der kirchlichen Körperschaften, der Lehrer der Parochie, der Schulkinder der Oberklasse von Briese und des Jungfrauenvereins vom Pfarrhaus zum Gotteshaus; vormittags 9 Uhr : Gottesdienst des Superintendenten über Psalm 33, 4 und Besprechung mit der konfirmierten Jugend über Psalm 100, 2. Nach dem Gottesdienst Besprechung mit den kirchlichen Körperschaften in der Kirche. Nachmittags 3 Uhr: Kindergottesdienst mit Katechese des Ortsgeistlichen über 1. Kor. 1, 30 und Katechese mit den Konfirmanden durch den Superintendenten.
(Aus Heimatklänge)

 

© GCA Christian Heilmann     Kontakt:  Heilmann  AT GCA.CH  / Letzte Änderung: 07.01.2008